etwas mehr als 2 Jahre bin ich den Tesla jetzt gefahren, dabei habe ich auch einige richtig langes Reisen gemacht, unter anderem nach Rom, Dänemark, Wales, London und mehrfach nach Wien und Zürich. Dabei bin ich gedanklich so weit vom normalen Tanken abgedriftet, dass mir die insgesamt über 700 Ladevorgänge zunehmend weniger nervig vorkamen. Oft hat man sich dann auch arrangiert, z.B. beim Einkauf oder mit dem Besuch von Outlet-Stores auf längeren Fahrten. Aber auch, indem ich das Rad aus dem Kofferraum geholt habe oder joggen gegangen bin. Mit Sport macht man aus einer Ladepause dann tatsächlich etwas Sinnvolles.
| kurze Radausfahrt beim Laden |
| Hypermiling mit dem Tesla |
WLTP bescheinigt 600 km Reichweite für den Model Y Long Range, und tatsächlich ist es mir gelungen, von Rüsselsheim nach Calais zu reisen, was 599,4 km waren und ohne Nachladen bewältigt wurden. Gestartet bin ich direkt von der Ladesäule mit 100% und angekommen bin ich mit 0,3%. Dazwischen lag eine sehr langsame Fahrt im Windschatten von Lkws und ohne Klima-Anlage. Aber es waren moderate Außentemperaturen und ich hatte Zeit, weil meine Fähre recht spät ablegte. Der Sweet Spot für die optimale Reisegeschwindigkeit liegt aber eher bei 140 km/h, kombiniert mit schnellen Ladestopps bis 50 %.
| 250 kW - ein seltenes Bild |
Laden war am komfortabelsten bei Tesla selbst, wo man den Stecker aus der Säule holt, in den Tesla steckt und nicht warten muss, ob die Ladung auch startet. Abenteuerlicher wurde es an allen Säulen, die man entweder per Karte oder App starten musste. Das geht auch meistens schnell, aber man muss immer schauen, ob die Ladung losläuft, was oft genug nicht direkt funktioniert hat.
Mit Elektroautos genießt man ein ruhiges Fahrverhalten und viele komfortable Features. Beim Tesla war das die ausreichende Leistung von 347 PS und der wirklich exzellent funktionierende Bordcomputer inklusive Grok-basiertem KI-Assistent, Web-Browser, Multimediaangebote und einer Google-Maps-basierten Navigation. Die nicht vorhandene Unterstützung für Apple Car Play oder Android Auto vermisst man überhaupt nicht. Ebenso vermisst man auch keinen Tacho hinter dem Lenkrad. Das Display in der Mitte ist völlig ausreichend und lässt die Lösungen anderer Hersteller irgendwann grotesk wirken.
![]() |
| Fernsehen auf dem Weg zur Fähre |
Mit den zahlreichen Updates - es waren glaube ich über 10 - kamen interessante neue Features, die das bestehende Auto aufwerteten: Ich will hier als Beispiel das Entriegeln des Ladesteckers durch 3 Sekunden ziehen des linken hinteren Türgriffs erwähnen. Aber auch Sicherheitsfeatures wie Fußgängerschutz beim Türöffner oder verbesserte Automatik des Scheibenwischers begeistern die Nutzer.
| kurze Pause in Wales |
Pannen gab es auf den 111 Tkm so gut wie keine. Ich hatte einmal einen Steinschlag, bei dem Carglass das Ethernet-Kabel der Dashcam eingeklemmt und beschädigt hat. Die Reparatur erfolgte, durch die App bestellt, bei mir vor der Haustür in meiner Abwesenheit. Geil. Dann waren nach rund 90 Tkm mal die Bremsscheiben komplett korrodiert. Das liegt vermutlich an dem One-Pedal-Driving, bei dem man manchmal 2000 km fährt, ohne einmal mit dem Fuß auf das Bremspedal zu treten. Flugrost wird so nicht abgetragen und frisst sich in die Scheiben rein. Tesla hat dann alle vier Scheiben und Belege neue gemacht, und jetzt läuft alles wieder smooth. Vergleiche ich das mit meinem Erfahrungen mit den vorherigen Autos, vor allem den beiden vielgefahrenen Autos, dem SuperB und den Touran, so hatte ich dort deutlich mehr Aufenthalte bei Skoda und VW. Was man halt ehrlich zugeben muss ist, dass der Reifenverschleiß wegen der hohen Motorleistung und der Rekuperation enorm ist. Sommer- und Winterreifen habe ich jeweils 2 Sätze runtergefahren, also über den Daumen gepeilt waren die Reifen nach 30 Tkm fertig. Der Model Y kann den Reifenverschleis recht zuverlässig mit seinen ABS-Sensoren ermitteln. Achse, und einmal hat sich bei -4°C der DC-DC-Konverter aufgehängt, was zu einem Totalausfall der Bordlelektrik inklusive ADAC-Einsatz geführt hat. Im Nachhinein vermute ich, dass ich der sehr kalten Batterie ein bisschen zu viel Entladestrom zugemutet habe, die die akzeptable Spannung des Konverter unterschritten haben dürfte. Wie auch immer, ich wurde Zeuge einer Starthilfe, bei der der ADAC die kleine 15,8V-Batterie "gejumpstartet" hat.
Der Reifendruck wiederum wird ordentlich gemessen und im Bordcomputer pro Reifen angezeigt. Das hat mich bei VW und co von jeher gestört, dass man hier nur einen binären Alarm bekommt. wenn die ABS-Sensoren für ein Rad einen kleineren Umfang berechnen.
Bei der Ausstattung kann man beim Tesla so gut wie gar nicht wählen, die Anhängerkupplung bei meinem Y war schon so gut wie das einzige Stück Sonderausstattung, das man wählen konnte. Für den Aufpreis bekommt man dann eine AHK zum Stecken mit einer gebremsten Anhängelast bis zu 1,6t. Ich habe den Haken genau einmal montiert und dann bis gestern dran gelassen. Für die Montage muss man eine Kunststoffabdeckung rausheben und dann den Haken einstecken. Klarer Punkt für SuperB und Skoda. Beide hatten eine Klapp-AHK, der Touran sogar elektrisch betätigt, der SuperB immerhin via Seilzug. Auch recht suboptimal ausgeführt ist die Steckdose der AHK: In den ersten Monaten war es kaum möglich, den Stecker einzustecken. Viel zu schwergängig. Ziemlich früh korrodieren die 13 Steckkontakte dann dramatisch, und häufig floss bei Öffnen der Klappabdeckung Wasser aus der Buchse. Aber die Elektrik der AHK hat glücklicherweise 2 Jahre durchgehalten.
Ich wollte eigentlich noch einen SOH-Test mit der Batterie machen, was aber wegen einer streikenden AC-Säule nicht funktioniert hatte. Einen Schockmoment erlebt ich dann, als ich feststellen musste, das der Wagen im Rahmen des Tests die Batterie bereits auf -6,5%(!) entladen hat. Minus-Prozente werden nur bei der Routenplanung angezeigt, die offizielle Angabe ist dann immer noch 0%. Die Karre war dann jedenfalls zum ersten Mal so leer, das sie den Start verweigert hat. Und das, obwohl ich am "Hang" stand und bis zum Aral Pulse einen negativen Verbrauch hingelegt hätte. Ich konnte von Glück reden, dass ich die AC-Säule noch mal starten könnte, sodass ich dem Akku +2% gegönnt habe und dann zur Aral fahren konnte. So kann ich den SoH nur abschätzen anhand der geladenen Energie bei vollständigen Ladung. Ich schätze, dass aktuell noch 74 kWh geladen werden können, ursprünglich waren das mal knapp 80. Das würde einem SoH von 92% entsprechen und würde auch meiner aktuellen Reichweitenerfahrung entsprechen. Ich traue dem Akku noch mal 111 Tkm zu, dann wäre der Tesla bei 222k, was auch bei einem Verbrenner nicht gerade wenig wäre. Hier muss man bedenken, dass eine Austauschbatterie auch nicht mehr zwingend teurer ist als ein Austausch-Motor für einen Verbrenner.
Der Camping-Modus ist hier noch mal explizit zu erwähnen: Ich habe tatsächlich ein paar Mal im Tesla übernachtet und fand es überragend, dass man die Temperatur des Innenraums einstellen kann. Das hat einmal sogar bei -8 °C funktioniert. Dank der leicht getönten Scheiben im hinteren Bereich ist man vor neugierigen Blicken geschützt, und mit umgeklappter Rückbank kann man es sich im Kofferraum bequem machen, auch wenn ich vielleicht 10 cm mehr bräuchte. Für den Tesla kann man sogar eine spezielle Matratze bestellen, ich habe allerdings einfach eine faltbare Spielmatte von IKEA verwendet. Natürlich kann man den Camping-Modus auch im Sommer benutzen, wenn vielleicht der Innenraum heruntergekühlt werden muss. Im Display wird im Campingmodus eine Szene mit Lagerfeuer eingeblendet, man kann aber auch aus der Spielekiste die App "mach es Dir gemütlich" wählen. Dann kommt ein Kaminfeuer auf den Schirm. Wer einen Hund hat, kann diesen dank Hundemodus auch über das ganze Jahr im Auto lassen. Hier wird sogar im Display über den Hundemodus informiert, sodass kein besorgter Passant im Sommer die Scheibe einschlagen muss.
| Vmax |
Ein weiteres Plus des Y war die Höchstgeschwindigkeit von 217 km/h (135 mph), was immer noch begrenzt ist, aber immerhin etwas höher als einige Mitbewerber. Es geht auch nicht darum, ob man 217 km/h fahren muss, sondern ob es geht oder nicht. Bei so einem Tempo kann man den Akku in ein paar Minuten leer fahren, also macht man das nur kurz oder wenn man den Akku vielleicht noch ein bisschen auf Temperatur bringen will zum Aufladen. Ehrlicherweise gibt es außer Deutschland kaum Länder, in denen man über 200 km/h fahren darf. Der Abstand-Tempomat ging dann auch nur (glaube ich) bis 150 km/h, Genauso auch der Spurhalteassistent, der optional eine Rainbow-Road einblendet wenn er aktiv ist.
Im Anhänger-Modus steuert das Navi nur Ladestationen an, die seiner Meinung nach mit Hängern anfahrbar sind. Das funktioniert in der Praxis recht gut, sodass wir z.B. im Dänemark-Urlaub bei 25 Ladestopps nie abkuppelnmussten, in UK auch nur zweimal. Das Laden mit dem Navi funktioniert ganz gut, allerdings werden die Tesla Supercharger bevorzugt bzw. eigentlich nur diese angesteuert. Generell sind nicht alle Anbieter im Navi drin, aber man findet auch Alternativen zu den Superchargern.
Das Kofferraumvolumen ist auch etwas, an das man sich schnell gewöhnen kann. In den Subtrunk passt das Dahon-Klapprad rein, und im Frunk kann man die schmutzige Wäsche eines zweiwöchigen Campingurlaubs sorgenfrei zwischenlagern. Der Kofferraum selbst schluckt 8 Kisten Wasser. Wirklich viel Platz vorhanden.































