etwas mehr als 2 Jahre bin ich den Tesla jetzt gefahren, dabei habe ich auch einige richtig langes Reisen gemacht, unter anderem nach Rom, Dänemark, Wales, London und mehrfach nach Wien und Zürich. Dabei bin ich gedanklich so weit vom normalen Tanken abgedriftet, dass mir die insgesamt über 700 Ladevorgänge zunehmend weniger nervig vorkamen. Oft hat man sich dann auch arrangiert, z.B. beim Einkauf oder mit dem Besuch von Outlet-Stores auf längeren Fahrten. Aber auch, indem ich das Rad aus dem Kofferraum geholt habe oder joggen gegangen bin. Mit Sport macht man aus einer Ladepause dann tatsächlich etwas Sinnvolles.
Ich habe alles bei Spritmonitor geloggt, weil ich da ein bisschen Nerd bin, und weil ich gerne Evidenz habe. So kann ich berichten, dass der Tesla sich insgesamt 28,625 MWh aus den AC-Säulen und DC-Chargern genommen hat. Überwiegend DC, und oft im Bereich von 0 bis 50%, weil der Tesla hier die am ehesten akzeptable Ladeleistung von mehr als 100 kW hat. Im Peak 252 kW, aber ab 50% ging es bei meinem Y dann schon deutlich unter die 100 kW. Trotzdem war ein Ladestopp bis 50% in 16 Minuten erledigt. 50% reichen dann je nach Fahrweise für 25 Minuten (mit Tempo 200) oder für knapp vier Stunden bei Tempo 80. Im Schnitt weist der Spritmonitor 25,7 kWh pro 100 km aus. Der Bordcomputer, leider immer mal resettet, zeigte meist so um die 20 kWh / 100 km bei längeren Aufzeichnungszeiträumen an.
WLTP bescheinigt 600 km Reichweite für den Model Y Long Range, und tatsächlich ist es mir gelungen, von Rüsselsheim nach Calais zu reisen, was 599,4 km waren und ohne Nachladen bewältigt wurden. Gestartet bin ich direkt von der Ladesäule mit 100% und angekommen bin ich mit 0,3%. Dazwischen lag eine sehr langsame Fahrt im Windschatten von Lkws und ohne Klima-Anlage. Aber es waren moderate Außentemperaturen und ich hatte Zeit, weil meine Fähre recht spät ablegte. Der Sweet Spot für die optimale Reisegeschwindigkeit liegt aber eher bei 140 km/h, kombiniert mit schnellen Ladestopps bis 50 %.
Laden war am komfortabelsten bei Tesla selbst, wo man den Stecker aus der Säule holt, in den Tesla steckt und nicht warten muss, ob die Ladung auch startet. Abenteuerlicher wurde es an allen Säulen, die man entweder per Karte oder App starten musste. Das geht auch meistens schnell, aber man muss immer schauen, ob die Ladung losläuft, was oft genug nicht direkt funktioniert hat.
Mit Elektroautos genießt man ein ruhiges Fahrverhalten und viele komfortable Features. Beim Tesla war das die ausreichende Leistung von 347 PS und der wirklich exzellent funktionierende Bordcomputer inklusive Grok-basiertem KI-Assistent, Web-Browser, Multimediaangebote und einer Google-Maps-basierten Navigation. Die nicht vorhandene Unterstützung für Apple Car Play oder Android Auto vermisst man überhaupt nicht. Ebenso vermisst man auch keinen Tacho hinter dem Lenkrad. Das Display in der Mitte ist völlig ausreichend und lässt die Lösungen anderer Hersteller irgendwann grotesk wirken.
Die Kinder haben es geliebt, bei den Ladepausen Netflix oder YouTube zu schauen oder das Mario-Kart-artige Rennspiel zu spielen. Ich konnte mir eine Website basteln, mit der ich sowohl die Schranke öffnen konnte als auch Streams von meiner heimischen Satellitenschüssel starten konnte.
Mit den zahlreichen Updates - es waren glaube ich über 10 - kamen interessante neue Features, die das bestehende Auto aufwerteten: Ich will hier als Beispiel das Entriegeln des Ladesteckers durch 3 Sekunden ziehen des linken hinteren Türgriffs erwähnen. Aber auch Sicherheitsfeatures wie Fußgängerschutz beim Türöffner oder verbesserte Automatik des Scheibenwischers begeistern die Nutzer.
Pannen gab es auf den 111 Tkm so gut wie keine. Ich hatte einmal einen Steinschlag, bei dem Carglass das Ethernet-Kabel der Dashcam eingeklemmt und beschädigt hat. Die Reparatur erfolgte, durch die App bestellt, bei mir vor der Haustür in meiner Abwesenheit. Geil. Dann waren nach rund 90 Tkm mal die Bremsscheiben komplett korrodiert. Das liegt vermutlich an dem One-Pedal-Driving, bei dem man manchmal 2000 km fährt, ohne einmal mit dem Fuß auf das Bremspedal zu treten. Flugrost wird so nicht abgetragen und frisst sich in die Scheiben rein. Tesla hat dann alle vier Scheiben und Belege neue gemacht, und jetzt läuft alles wieder smooth. Vergleiche ich das mit meinem Erfahrungen mit den vorherigen Autos, vor allem den beiden vielgefahrenen Autos, dem SuperB und den Touran, so hatte ich dort deutlich mehr Aufenthalte bei Skoda und VW. Was man halt ehrlich zugeben muss ist, dass der Reifenverschleiß wegen der hohen Motorleistung und der Rekuperation enorm ist. Sommer- und Winterreifen habe ich jeweils 2 Sätze runtergefahren, also über den Daumen gepeilt waren die Reifen nach 30 Tkm fertig. Der Model Y kann den Reifenverschleis recht zuverlässig mit seinen ABS-Sensoren ermitteln. Achse, und einmal hat sich bei -4°C der DC-DC-Konverter aufgehängt, was zu einem Totalausfall der Bordlelektrik inklusive ADAC-Einsatz geführt hat. Im Nachhinein vermute ich, dass ich der sehr kalten Batterie ein bisschen zu viel Entladestrom zugemutet habe, die die akzeptable Spannung des Konverter unterschritten haben dürfte. Wie auch immer, ich wurde Zeuge einer Starthilfe, bei der der ADAC die kleine 15,8V-Batterie "gejumpstartet" hat.
Der Reifendruck wiederum wird ordentlich gemessen und im Bordcomputer pro Reifen angezeigt. Das hat mich bei VW und co von jeher gestört, dass man hier nur einen binären Alarm bekommt. wenn die ABS-Sensoren für ein Rad einen kleineren Umfang berechnen.
Bei der Ausstattung kann man beim Tesla so gut wie gar nicht wählen, die Anhängerkupplung bei meinem Y war schon so gut wie das einzige Stück Sonderausstattung, das man wählen konnte. Für den Aufpreis bekommt man dann eine AHK zum Stecken mit einer gebremsten Anhängelast bis zu 1,6t. Ich habe den Haken genau einmal montiert und dann bis gestern dran gelassen. Für die Montage muss man eine Kunststoffabdeckung rausheben und dann den Haken einstecken. Klarer Punkt für SuperB und Skoda. Beide hatten eine Klapp-AHK, der Touran sogar elektrisch betätigt, der SuperB immerhin via Seilzug. Auch recht suboptimal ausgeführt ist die Steckdose der AHK: In den ersten Monaten war es kaum möglich, den Stecker einzustecken. Viel zu schwergängig. Ziemlich früh korrodieren die 13 Steckkontakte dann dramatisch, und häufig floss bei Öffnen der Klappabdeckung Wasser aus der Buchse. Aber die Elektrik der AHK hat glücklicherweise 2 Jahre durchgehalten.
Ich wollte eigentlich noch einen SOH-Test mit der Batterie machen, was aber wegen einer streikenden AC-Säule nicht funktioniert hatte. Einen Schockmoment erlebt ich dann, als ich feststellen musste, das der Wagen im Rahmen des Tests die Batterie bereits auf -6,5%(!) entladen hat. Minus-Prozente werden nur bei der Routenplanung angezeigt, die offizielle Angabe ist dann immer noch 0%. Die Karre war dann jedenfalls zum ersten Mal so leer, das sie den Start verweigert hat. Und das, obwohl ich am "Hang" stand und bis zum Aral Pulse einen negativen Verbrauch hingelegt hätte. Ich konnte von Glück reden, dass ich die AC-Säule noch mal starten könnte, sodass ich dem Akku +2% gegönnt habe und dann zur Aral fahren konnte. So kann ich den SoH nur abschätzen anhand der geladenen Energie bei vollständigen Ladung. Ich schätze, dass aktuell noch 74 kWh geladen werden können, ursprünglich waren das mal knapp 80. Das würde einem SoH von 92% entsprechen und würde auch meiner aktuellen Reichweitenerfahrung entsprechen. Ich traue dem Akku noch mal 111 Tkm zu, dann wäre der Tesla bei 222k, was auch bei einem Verbrenner nicht gerade wenig wäre. Hier muss man bedenken, dass eine Austauschbatterie auch nicht mehr zwingend teurer ist als ein Austausch-Motor für einen Verbrenner.

































