Montag, 1. Juli 2013

Fernsehen früher, heute und später einmal





Als Jugendlicher befand ich mich in Biebrich im Tal der Ahnungslosen, was den Empfang von den begehrten Sendern RTL und Pro7 anging. Von Tele5 ganz zu schweigen. ARD, ZDF und die lokalen Dritten Programme HR und SWR konnte ich meistens ganz gut empfangen, und auch Sat1 schwappte in anschaubarer Qualität von der "Eebsch Seit" rüber. Mein kleiner, aussen roter und innen schwarzweißer Fernseher leistete gute Dienste. Wie verklärt allerdings die Erinnerungen an diese Zeiten zu sein scheinen habe ich festgestellt, als ich mich mit dem Betrieb des kleinen Sony ein paar Jahrzehnte zurück gebeamt habe und einfach mal "schwarz auf weiß" belegen konnte, von was für einer Qualität man da nach Jahren zu schwärmen anfängt. Das um den Faktor 28 leichtere Smartphone ist wie ein Schlag ins Gesicht für diese Art von Vergangenheitsverherrlichung. Was bleibt ist jedoch das feste Wissen, dass das Fernsehprogramm vor 25 Jahren wesentlich besser war, obwohl damals für mich sechs empfangbare Sender waren, und nicht knapp 100 wie heute.

Linearisieren wir diese Erkenntnisse 20 Jahre in die Zukunft, so zeichnet sich ein körperloses Fernsehen ab: Ein Bild wird es wohl noch geben, aber die Materie, mit der oder auf der dieses Bild dargestellt wird, wird dann vielleicht nur noch 1 Gramm pro Zoll wiegen. Eine organische Leucht-Tapete? Eine holografische Projektion? Oder eine direkte Einkopplung in unser Gehirn? Alles ist möglich und wahrscheinlich werden sich alle drei Techniken positionieren, in einer ähnlichen Selbstverständlichkeit, mit der derzeit Plasma, LCD und Projektoren sich den Markt teilen. Diese ganzen Geräte werden dann wohl "retro" sein, allen voran die Röhrengeräte, die evtl. einen Kultstatus erlangen könnten, den heute bereits Röhrenverstärker genießen.
Und die Qualität des Fernsehenprogramms? Es wird auf jeden Fall billiger, interaktiver und man wird sich weniger wohlfühlen mit dem Fernsehen der Zukunft. Die Zeit der frontalen Berieselung wird wohl weitestgehend von einem automatisierten, youtubesquen Unterhaltungsstrom abgelöst werden, der ein ständiges Feedback vom Konsumenten dazu auswertet, Werbung optimal zu vermarkten und den Konsum zu maximieren. Die Auflösung des Fernsehen im Jahr 2033 wird sich wohl auf maximal "16K" steigern, wobei dynamisch skaliert wird, sowohl in Auflösung als auch in Seitenverhältnis und Dimensionsanzahl.

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